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Artikel » Bauen & Wohnen Dachbeschichtung, eine neue Chance für den Dachdecker? |
Fast egal wen man fragt, das Dachdeckerhandwerk scheint sich in einem gnadenlosen Preiskampf zu befinden. Einige Dachdecker gehen so weit, dass sie in Tageszeitungen oder vermehrt auch Wochenblättern mit einem Inserat den Eindruck erwecken z. B. 100 qm Neueindeckung würden deutlich unter € 3.000,-- zu haben sein. Und das auch noch inklusive Gerüst und Entsorgung des Altmaterials. Wer sich verschiedene Angebote einholt erkennt schnell, hier handelt es sich oft nicht mehr als um einen frommen Wunsch. Die notwendige neue Dämmung fehlt, die Sparrenerhöhung, Anschlüsse und Verwahrungen und am Ende landet es doch wieder irgendwo zwischen dem doppelten oder dreifachen Betrag, scheibchenweise halt.
Der Dachdecker im Preiskampf. Wo dieser gnadenlose Preiskampf seinen Anfang genommen hat, ist kaum mehr zu ermitteln. Sicher ist die Neubautätigkeit zurück gegangen, sicher entscheidet der Verbraucher zudem heutzutage preisbewusster und ein weiterer Grund mag darin liegen, dass die Dachbeschichtung einem Marktanteil von geschätzt deutlich über 10 Prozent hat. Rationellere Verlegetechniken und vermehrter Einsatz von Maschinen wie Druckluftnagler, Materialaufzug und vieles mehr spielt sicher auch eine Rolle für eine gewisse Überkapazität des Dachdeckerhandwerks. Allgemein wird im Moment zwar von einem Auftragsboom durch Solartechnik und die neuen Anforderungen der ENEV gesprochen, Nachhaltige positive Auswirkungen auf die Erträge oder die Gesamtzahl der Beschäftigten im Dachdeckerhandwerk scheinen aber auszubleiben.
Die Dachbeschichtung befriedigt einen Bedarf. Obwohl durch Mehrwertsteuererhöhung und andere Einflüsse im Jahr 2007 empfindlich gestört, zeigt der Markt für Dachbeschichtungen trotzdem langfristige und vor allen Dingen deutliche Wachstumstendenzen. Zum einen ist der Verbraucher nicht dumm und weiß ganz genau, dass seine Dachsteine gut und gerne mehr als 70 bis 80 Jahre halten, zum anderen wachsen seine Ansprüche in Bezug auf gutes Aussehen der Bedachung. Dicke Moospolster oder weißer Flechtenbelag wird allgemein als hässlich und störend empfunden. Und bevor er sich sein ansonsten intaktes Dach abreißen und neu decken lässt, beauftragt er vermehrt eine Dachbeschichtung.
Dachbeschichtungen gehen am Dachdecker vorbei. Genau dieser Markt aber, die Dachbeschichtungen, gehen fast völlig am Dachdeckerhandwerk vorbei. Die Anfänge der Dachbeschichtung liegen mittlerweile mehr als 30 Jahre zurück. Kurz nachdem die Dachsteinindustrie sich entschlossen hatte, an Stelle einer Oberflächenbesandung ihre Produkte künftig mit einer werksseitigen Beschichtung zu versehen, erkannten einige Farbhersteller das sich abzeichnende Marktpotential und entwickelten Farben zur nachträglichen Dachbeschichtung. Nur, was versteht ein Dachdecker denn von Farbe, er ist doch kein Maler? Wo liegt der Sinn eines Meisterbriefes wenn man anschließend mit einem Eimer Dachfarbe über das Dach rennt? An 200 Quadratmetern Neueindeckung lässt sich doch viel mehr Geld verdienen als an 200 Quadratmetern Dachbeschichtung. Die Gesellen haben bei einer Dachbeschichtung doch auch viel weniger zu tun und man braucht noch mehr Aufträge. Kurz und gut, hübsch verkleidet in pseudofachliche Argumentationen verweigern sich große Teile des Dachdeckerhandwerks bis heute. Einige wenige versuchen sogar zu behaupten, dass sich eine fachgerechte nachträgliche Dachreinigung und Dachbeschichtung wieder vom Dachstein ablösen kann und es auch keinen vernünftigen Grund dafür geben könne, dass ein älteres Dach wieder gut aussehen soll. Der große Anteil den die nachträgliche Dachreinigung und Dachbeschichtung mittlerweile im Markt der Dachsanierung erreichen konnte, spricht aber klar eine andere Sprache.Durch diese Verweigerungshaltung konnte es geschehen, dass die Dachbeschichtung vom Holz- und Bautenschutzgewerbe vereinnahmt wurde. Hierbei muss man wissen, dass es sich hier nicht um ein Vollhandwerk handelt, sondern lediglich um ein so genanntes handwerksähnliches Gewerbe (Anlage B HWO), ohne Meisterbrief und auch ohne Ausbildung. Zwanzig Euro für eine Gewebeerlaubnis und schon darf jedermann Dächer beschichten und viele andere „sinnvolle“ Dinge tun. Trotz in jedem einzelnen Fall vielleicht bester Absichten, das Risiko hier unabsichtlich Fehler zu begehen ist natürlich groß. Auch und gerade bei Dachbeschichtungen. Unter dem Strich halten sich die Fehler aber in Grenzen, die meisten Betriebe gewinnen rasch an Erfahrungen und wer sich länger als fünf Jahre im Markt behaupten konnte, sollte eigentlich ganz genau wissen, was er da tut.
Die Dachbeschichtung, eine Chance für das Dachdeckerhandwerk? Auch wenn es scheint, dass die Märkte der verschiedenen Arten der Dachsanierung mittlerweile klar verteilt sind, dass Dachdeckerhandwerk ist nicht Chancenlos. Im Gegensatz zu den Holz- und Bautenschützern verfügen die Dachdecker über zehntausende hervorragend ausgebildete Handwerksmeister und Gesellen, denen es gelingen könnte, die Dachbeschichtung zu einer vollends etablierten Handwerksleistung zu machen. Sie müssen es nur tun. Dazu gehören Ausbildungsrichtlinien, Prüfungen, Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr. Das muss noch nicht einmal zu Lasten der Neueindeckungen gehen, es liegt dann in der Hand des Dachdeckermeisters seinem Kunden die für das Dach geeignete und für den Geldbeutel verträgliche Art der Dachsanierung zu empfehlen. Aber nicht nur in Bezug auf Dachbeschichtung ist es erst einmal schwer über seinen Schatten zu springen.
| | | 04.02.2008 15:19:20 von |
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